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title: "Finanz- und Investitionsplan zeigt dringenden Handlungsbedarf und lässt auf finanziell anspruchsvolle Jahre blicken"
author: "Stadt-News Wil"
published: 2026-11-05
region: "Wil"
canonical_url: https://wil.regioticker.ch/article/05-11-26-finanz-und-investitionsplan-zeigt-dringenden-handlungsbedarf-und-lasst-auf-finanziell-anspruchsvolle-jahre-blicken
publisher: RegioTicker
---# Finanz- und Investitionsplan zeigt dringenden Handlungsbedarf und lässt auf finanziell anspruchsvolle Jahre blicken

**Der Stadtrat hat den Finanz- und Investitionsplan 2027-2031 mit dem zugehörigen Bericht und Antrag an das Stadtparlament verabschiedet. Bei einem unveränderten Steuerfuss von 115% rechnet die Stadt Wil mit jährlichen strukturellen Defiziten von rund 10 bis 11 Millionen Franken. Ohne umgehende, griffige Gegenmassnahmen wird die Verschuldung bis Ende 2031 auf ein für den Stadtrat unvertretbares Mass ansteigen. Der Stadtrat erachtet deshalb sowohl weitere Einsparungen als auch höhere Steuereinnahmen in Kombination als dringend notwendig. Im Rahmen des Projekts «Haushaltsgleichgewicht 2030» werden entsprechende Vorschläge erarbeitet.**

Der Finanz- und Investitionsplan 2027-2031 zeigt auf, wie sich der städtische Finanzhaushalt unter den getroffenen Annahmen in den kommenden Jahren entwickeln könnte. Er ist ein rollendes Führungsinstrument für die mittelfristige Planung. Der Finanzplan basiert auf der Hochrechnung 2026 und dem Budget 2027 einschliesslich des Budgetnachtrags vom 20. Oktober 2026.

**Bestehende Entlastungen reichen nicht aus**

Bereits vor dem Budget 2026 hat der Stadtrat Entlastungsmassnahmen mit einer wiederkehrenden Wirkung von 3 Millionen Franken erarbeitet. Mit dem Budgetnachtrag 2027 beantragt er dem Stadtparlament zusätzliche Sparmassnahmen im Umfang von rund 2,2 Millionen Franken. Beide Pakete sind in der Finanzplanung berücksichtigt. Sie reichen jedoch nicht aus, um das Defizit zu beseitigen: Ohne griffige Gegenmassnahmen wird die Nettoverschuldung von 43 Millionen Franken Ende 2025 auf 125 Millionen Franken Ende 2031 ansteigen. Gleichzeitig würde der Bilanzüberschuss, der zur Deckung künftiger Verluste dient, von 79 auf lediglich noch 18 Millionen Franken sinken. Damit würde der Finanzhaushalt der Stadt Wil über keinerlei Reserven mehr verfügen. Für den Stadtrat ist dieses Szenario nicht hinnehmbar, weshalb er an allen Stellschrauben drehen will.

**Einsparungen und höhere Einnahmen notwendig**

Um das Defizit möglichst rasch zu verringern, müssen Sparanstrengungen und Steuerfusserhöhungen Hand in Hand gehen. Der Stadtrat wird dem Stadtparlament dazu ein weiteres Paket mit strukturellen Massnahmen vorlegen. Über die konkreten Massnahmen und deren Umsetzung wird im politischen Prozess zu entscheiden sein, da das Stadtparlament als Budgetorgan über die Einnahmen und Ausgaben der Stadt bestimmt. Den Rahmen dafür bildet das Postulat der Geschäftsprüfungskommission (GPK) zur Beseitigung des strukturellen Defizits, welches das Parlament am 2. Juli 2026 erheblich erklärt hat. Es verlangt ein ausgeglichenes Budget bis 2030 durch eine ausgewogene Kombination von Mehreinnahmen und Ausgabenreduktionen.

**Rechenszenario zeigt möglichen Weg bis 2030**

Ergänzend zur Planung mit einem Steuerfuss von 115 % wurde für das Projekt «Haushaltsgleichgewicht 2030» ein Rechenszenario ausgearbeitet. Es zeigt, wie sich der Finanzhaushalt unter den getroffenen Annahmen entwickeln könnte. Dabei wird davon ausgegangen, dass die zusätzliche Entlastung ungefähr je zur Hälfte durch Einsparungen und höhere Steuereinnahmen erfolgt. Diese Aufteilung ist eine Planungsannahme, basierend auf dem GPK-Postulat. Ob diese Aufteilung politisch mitgetragen wird, ist im weiteren Prozess zu klären.

Das Szenario rechnet mit zusätzlichen, schrittweise aufgebauten Einsparungen, die ab 2030 jährlich rund 5,1 Millionen Franken erreichen. Auf der Einnahmenseite wird eine umgehende Erhöhung des Steuerfusses auf 121 % im Jahr 2028 und eine weitere Erhöhung auf 123 % im Jahr 2030 angezeigt. Unter diesen Voraussetzungen wäre der Haushalt annähernd ausgeglichen.

Die Einsparungen und Steuerfussanpassungen sind noch nicht beschlossen und angesichts der anstehenden politischen Diskussion ungewiss. Der Stadtrat beurteilt insbesondere zusätzliche Einsparungen von jährlich 5,1 Millionen Franken als äusserst ambitioniert. Um dieses Ziel zu erreichen, wird der Stadtrat gemeinsam mit dem Stadtparlament alle gesetzlich nicht zwingend vorgegebenen Leistungen sowie Standards, Beiträge und Angebotsumfänge auf den Prüfstand stellen müssen. Ebenso werden gebundene Aufgabenbereiche hinsichtlich Effizienz und finanziellem Handlungsspielraum durchleuchtet.

**Tiefer Steuerfuss hinterlässt Spuren in der Bilanz**

Auch im Rechenszenario mit zusätzlichen Einsparungen und höheren Steuereinnahmen wird die Verschuldung stark ansteigen. Das Fremdkapital wächst deutlich an, da zusätzlich zu den anstehenden Investitionen weiterhin erhebliche Defizite in der Erfolgsrechnung in Kauf genommen werden. Diese Defizite tragen allein rund 26 Millionen Franken zur Neuverschuldung bei – eine zusätzliche Schuldenlast, welche nicht investitionsbedingt ist, sondern einzig aus dem laufenden Betrieb heraus resultiert.

Das Massnahmenpaket trägt schrittweise dazu bei, das Defizit zu reduzieren und den Anstieg der Verschuldung zu begrenzen. Eine Stabilisierung der Bilanz lässt sich damit jedoch nicht erreichen. Das Festhalten an einem Steuerfuss von 115 Prozent führt zu einem deutlichen Rückgang des Eigenkapitals. Um die laufenden Defizite und die anstehenden Investitionen zu finanzieren, muss entsprechend zusätzliches Fremdkapital aufgenommen werden.

Die Selbstfinanzierung reicht angesichts der anhaltenden Defizite und des hohen Investitionsbedarfs nicht aus, um die Investitionen aus eigenen Mitteln zu finanzieren. Folglich erhöht sich die Verschuldung trotz des skizzierten Massnahmenpakets merklich. Die Nettoschulden je Einwohnerin und Einwohner werden – auch mit Gegenmassnahmen – voraussichtlich auf weit über 3'000 Franken ansteigen.

**Investitionen erfordern finanziellen Spielraum**

Entfiel die Hauptlast zuletzt auf Investitionen in Kultur-, Freizeit- und Sportanlagen (unter anderem Hof zu Wil, Sportpark Bergholz), so verschieben sich die Investitionen nun in Richtung Verkehrsinfrastruktur, Schulraum und Hochwasserschutzprojekte. Aufgrund des eingeschränkten finanziellen Spielraums hat der Stadtrat den Investitionsplafond bereits von 30 auf 25 Millionen Franken jährlich reduziert. Er wird sich im Rahmen des Projekts «Haushaltsgleichgewicht 2030» Gedanken darüber machen, ob der Investitionsplafond weiter gekürzt werden kann.

Weitere Informationen: [Finanz- und Investitionsplan 2027-2031 Stadt Wil](https://www.stadtwil.ch/storage/256526f39e3a6bc21dae38c78190e6cf26853ffe98a5367418e71c4b708d8f2b)

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