Der Umbau beim Projekt zukunft.bahnhof ist gestartet. Seit Anfang Juli wird in der Bahnhalle gearbeitet: Schicht für Schicht wird das Gebäude entkernt, Container für Container Material abgetragen. Besonders der östliche Teil der Bahnhalle besteht mittlerweile fast nur noch aus einer Hülle. Wer derzeit am Gebäude vorbeifährt, erkennt die Bahnhalle kaum wieder. Unzählige Gerüststreben geben der Fassade die notwendige Steifigkeit, nachdem die Zwischendecken entfernt wurden. Allein die Betonblöcke, die das Gerüst beschweren, wiegen rund 80 Tonnen. Fast drei Wochen hat der Aufbau des Gerüsts gedauert.

Das Dach auf Stelzen

Jan Colruyt, Stiftungsrat der Stiftung zukunft.bahnhof, beschreibt die bauliche Herausforderung:

«Was wir hier eigentlich machen, ist: Wir stellen das Dach auf Stelzen, höhlen das Gebäude aus und bauen innen ein neues Haus auf. Danach wird das Dach wieder abgesetzt.»

— Jan Colruyt, Stiftungsrat

Der Grund für diesen Aufwand ist die Fassade mit ihren prismaförmigen Schindeln, die gemäss der Denkmalpflege einzigartig und absolut schützenswert ist. Mit dem Entfernen der Zwischendecke wird der historische Tanzsaal des ehemaligen Hotels Bahnhalle wieder in seiner ursprünglichen Form und Funktion hergestellt. Da sich herausstellte, dass das Gebäude lediglich auf Streifenfundamenten steht und die nötige Steifigkeit in der Fassade fehlt, sind die statischen Herausforderungen allerdings grösser als gedacht.

Überraschungen hinter den Wänden

Beim Entkernen des Hauses stösst das Team immer wieder auf Überraschungen. In der Zwischendecke zum Bühnenraum wurden beispielsweise Zeitungen aus dem Jahr 1889 sowie alte Stuckaturelemente entdeckt. Die stark beschädigten Teile lagern derzeit sicher in einem Wandschrank und warten auf die Beurteilung durch die Denkmalpflege.

Auch beim künftigen Bühnenraum orientiert sich das Projekt an der Historie. Den Zuschlag für den Umbau erhielt ein Architektenteam, das sich am historischen Aufbau des Tanzsaals orientierte: Eine grosse Halle über zwei Stockwerke mit Galerien soll in ähnlicher Form wieder aufgegriffen werden.

Mehr Raum für Kultur

Durch die Deckenöffnung wird die neue Bühne deutlich höher und damit auch für Zirkusartisten geeignet. Die Statik muss dabei einiges aushalten, da das hohe Gewicht der bühnentechnischen Installationen in die Planung einbezogen werden musste. Auch Brandschutz, Lüftung und Akustik spielen eine wichtige Rolle. Die akustische Isolation soll dafür sorgen, dass im Dachgeschoss künftig gewohnt und gleichzeitig im Saal Theater ohne Mikrofonverstärkung aufgeführt werden kann.

Freuen darf man sich auch auf die neu entstehende Dachterrasse. Nachdem eine 92-jährige ehemalige Bewohnerin erzählte, dass dort früher die Hotelwäsche getrocknet wurde, bewilligte die Denkmalpflege die Rekonstruktion. Bis zur Eröffnung dauert es allerdings noch: Geplant ist, im Herbst 2027 die Kultursaison mit einem Festival zu starten.

Wer sich selbst ein Bild machen möchte, ist herzlich zu den Baustellenführungen eingeladen.