Der Werkhof und die Stadtgärtnerei der Stadt Wil stossen räumlich an ihre Grenzen. Ein gemeinsamer Neubau sollte die Platzverhältnisse verbessern und die beiden Betriebe unter einem Dach zusammenführen. Nach sorgfältiger Projektierung wurde dem Wiler Stimmvolk am 24. November 2024 an der Urne ein Realisierungskredit von 22,92 Millionen Franken vorgelegt. Die Vorlage wurde mit 55 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt.

Projektcheck zeigt Einsparpotenzial

Nach dem Volksentscheid prüfte die Stadt Wil verschiedene Möglichkeiten, um die Kosten eines Neubaus zu senken. Eine Lösung sah die Integration des kantonalen Strassenwärterstützpunkts vor. Das Synergiepotenzial wäre gross gewesen, da sich die Anforderungen und Arbeiten der beiden Organisationen in weiten Teilen überschneiden. Der Kanton St.Gallen zog sich jedoch aus der gemeinsamen Planung zurück.

In der Folge beauftragte der Stadtrat die W+P Weber und Partner AG aus Wil mit einem unabhängigen Projektcheck. Dieser sollte die bestehende betriebliche und bauliche Konzeption sowie die Kosten im Sinne einer Zweitmeinung aus einer zusätzlichen fachlichen Perspektive beurteilen und mögliche Alternativen aufzeigen.

Der mittlerweile vorliegende Bericht schätzt die Kosten des ursprünglich geplanten städtischen Gesamtprojekts mit dem festgelegten Raumprogramm als realistisch kalkuliert ein. Gleichzeitig zeigt der Projektcheck Optimierungspotenzial beim bisherigen Betriebs- und Raumkonzept auf: Mit einer einfacheren, noch konsequenter auf die Bedürfnisse der Mitarbeitenden ausgerichteten Planung lassen sich die räumlichen Voraussetzungen und die betrieblichen Abläufe weiter verbessern. Die Überprüfung hält darüber hinaus fest, dass die Integration eines externen Dritten in einem städtischen Werkhof nicht sachgemäss ist. Im Grundsatz hinterfragt wurde zudem die Integration der Stadtgärtnerei: Es bieten sich finanzielle, bauliche und betriebliche Vorteile, wenn die Stadtgärtnerei nicht in einen Neubau integriert, sondern am bisherigen Standort separat ertüchtigt wird.

Verzicht trotz Sparpotenzial

Eine ausschliesslich auf den Raumbedarf des Werkhofs beschränkte Variante des ursprünglichen Projekts sowie ein von W+P im Rahmen des Projektchecks eigenständig entwickeltes Alternativprojekt werden beide auf rund 17 Millionen Franken geschätzt. Das Alternativprojekt folgt dem Grundsatz «form follows function» und richtet die bauliche Konzeption konsequent an den betrieblichen Abläufen und den Bedürfnissen der Mitarbeitenden aus. Für notwendige Anpassungen am bestehenden Standort der Stadtgärtnerei wären zusätzlich rund 1,6 Millionen Franken erforderlich.

Die Überprüfung zeigt damit, dass sich gegenüber dem ursprünglich vom Stadtrat beantragten Kredit rund vier Millionen Franken einsparen liessen, wenn ohne Integration der Stadtgärtnerei geplant wird. Der Stadtrat verzichtet aber trotz dieses Sparpotenzials darauf, das Vorhaben weiterzuverfolgen: Angesichts der angespannten finanziellen Lage und seiner Prioritätensetzung erachtet er es als angezeigt und notwendig, zum aktuellen Zeitpunkt auf die Investition zu verzichten. Die bisherigen Neubauplanungen werden eingestellt und das Werkhofprojekt damit definitiv abgeschlossen.

Betrieb an den bisherigen Standorten sichern

Trotz dieses Entscheids müssen die dringendsten räumlichen Engpässe an den bestehenden Standorten von Werkhof und Stadtgärtnerei gezielt punktuell entschärft werden. In unmittelbarer Nähe des Werkhofs konnte die Stadt zusätzliche Räume anmieten. Diese decken den derzeit grössten Bedarf an Lagerflächen ab und lindern damit die dringendste Raumnot. Für die Stadtgärtnerei wurde mit dem Budget 2026 ein Projekt bewilligt, das den bestehenden Standort mit einer Anpassung der Garderoben und des Aufenthaltsraums aufwertet.