Von Jürg Grau
Die neue Hängebrücke verbindet die Gebiete Schachen bei Jonschwil und Au bei Bazenheid. Was auf den ersten Blick vor allem wie eine touristische Bereicherung aussieht, ist in erster Linie ein anspruchsvolles Infrastrukturprojekt. Unter dem 80 Zentimeter breiten Gehbereich verlaufen Leitungen für die neue Fernwärmeversorgung von Jonschwil sowie für die Verbindung der beiden Wasserregionen Toggenburg und Wil-Uze.
Das Besondere am Projekt ist somit die Kombination von drei unterschiedlichen Nutzungen auf einer einzigen Brücke: Energieversorgung, Wasserversorgung und Langsamverkehr. Im Gespräch mit dem RegioTicker erläuterten Martin Gmür, Leiter Bau und Infrastruktur der Gemeinde Jonschwil, und René Rüttimann, Mitglied der Geschäftsleitung Netz/Technik der Regionalwerk Toggenburg AG, die Hintergründe und Herausforderungen des Projekts.
Fernwärme aus Bazenheid für Jonschwil
Ausgangspunkt des Gesamtprojekts ist die geplante Versorgung von Jonschwil und anschliessend auch Schwarzenbach mit Fernwärme aus dem Energiepark des Zweckverbands Abfallverwertung Bazenheid, kurz ZAB. Die bei der Abfallverwertung entstehende Wärme wird über ein Leitungsnetz zu den angeschlossenen Gebäuden transportiert und dort zum Heizen und für die Warmwasseraufbereitung genutzt.
Nach den Herbstferien werden mit der Oberstufe Degenau, der Primarschule Jonschwil und dem Unternehmen Hardegger Käse AG die ersten grossen Bezüger mit Fernwärme versorgt werden. Schrittweise kommen weitere Liegenschaften hinzu. Insgesamt wird mit rund 60 bis 70 Abnehmerinnen und Abnehmern gerechnet.
Für Jonschwil ist eine jährliche Nutzenergie von rund 4,5 Gigawattstunden vorgesehen. Dies entspricht lediglich rund 1,1 Prozent der beim ZAB verfügbaren Wärmemenge. Das zeigt, dass in Bazenheid noch erhebliches Potenzial für weitere regionale Fernwärmenetze wie der Ausbau nach Schwarzenbach und jenes für die Region Wil besteht.
Die Thur als besondere Herausforderung
Zwischen Bazenheid und Jonschwil bildet die Thur ein natürliches Hindernis. Für die Überquerung des Flusses bot sich eine Hängebrücke an. Damit konnten die Fernwärme- und Wasserleitungen sicher über das Gewässer geführt und gleichzeitig eine neue Verbindung für Fussgängerinnen und Fussgänger geschaffen werden.
Die Planung war anspruchsvoll. Das Gebiet gehört zu einer geschützten Landschaft, zudem mussten Fragen des Gewässer-, Natur- und Landschaftsschutzes geklärt werden. Die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission beurteilte die Beeinträchtigung der geschützten Thurlandschaft schliesslich als gering. Damit wurde der Weg für die Bewilligung frei.
Die ersten Gespräche zwischen der Gemeinde und der Regionalwerk Toggenburg AG fanden bereits im August 2022 statt. Das Baugesuch wurde im November 2024 eingereicht. Im Mai 2025 folgten die Bewilligungen von Kanton und Gemeinde, Anfang Juni 2025 konnte mit den Arbeiten begonnen werden.
54 Meter frei über die Thur
Die von der Firma Swissrope aus Frutigen erstellte Hängebrücke weist eine Spannweite von 54 Metern auf. Zwei mächtige Tragseile halten die Konstruktion. Die Stahlseile sind mit insgesamt zwölf Tonnen vorgespannt. Seitlich sorgen zusätzliche Stabilisationsseile dafür, dass die Brücke auch bei Wind ruhig bleibt.
Besondere Anforderungen stellte das Rohrpaket unter dem Gehweg. Es wiegt rund 100 Kilogramm pro Laufmeter. Die Rohre wurden auf einer Rampe vorbereitet und zusammengeschweisst. Anschliessend wurde das gesamte Paket mit Seilwinde, Rollen, Kettenzügen und Baumaschinen in die Konstruktion eingezogen.
Auch die Verankerung ist eindrücklich: Bis zu 16 Meter lange, schräg in den Felsen getriebene Anker sichern die Fundamente. Die Widerlager beziehungsweise Pylonen sind zusätzlich mit senkrechten Ankerfundamenten befestigt.
Verbindung zwischen Toggenburg und Fürstenland
Für die Bevölkerung sichtbar und unmittelbar nutzbar ist vor allem der neue «Thurstegweg». Er schafft die kürzeste Fussverbindung zwischen Jonschwil und Bazenheid und wertet das Netz der St.Galler Wanderwege weiter auf. Gleichzeitig entsteht eine zusätzliche Verbindung zwischen dem Toggenburg und dem Fürstenland.
Der Thurstegweg ist als Wanderweg von kantonaler Bedeutung klassiert. Der Kiesweg für den Gehbereich auf der Brücke ist 80 Zentimeter breit.
Wegen der vorübergehenden Sperrung des Übergangs in der Mühlau war die neue Hängebrücke bereits seit dem 26. Juni für Fussgängerinnen und Fussgänger zugänglich. Mit der Feier vom Samstag wurde sie nun auch offiziell eingeweiht.
Koordination in zahlreichen Bauetappen
Die Hängebrücke ist zwar das sichtbarste Element, bildet aber nur einen Teil des gesamten Fernwärmeprojekts. Die Leitungen führen vom Energiepark in Bazenheid über zahlreiche Strassen und Quartiere bis nach Jonschwil. Allein im Jahr 2026 wurden die Arbeiten in 17 Etappen beziehungsweise Baulosen ausgeführt.
Die Gemeinde übernahm dabei wichtige Aufgaben in der Baubegleitung, Koordination und Kommunikation. Gleichzeitig unterstützte sie die Regionalwerk Toggenburg AG bei der Vermittlung potenzieller Fernwärmekundinnen und -kunden.
Am Projekt waren mehrheitlich regionale Unternehmen beteiligt. Die Investitionen belaufen sich insgesamt auf rund 7,5 Millionen Franken. Die ersten Liegenschaften sollen nach den Herbstferien mit Fernwärme aus Bazenheid versorgt werden.
Mit der neuen Hängebrücke ist damit ein Bauwerk entstanden, das gleich mehrfach Nutzen stiftet: Es stärkt die regionale und nachhaltige Wärmeversorgung, verbindet zwei wichtige Wasserversorgungsregionen und bringt Jonschwil und Bazenheid für Fussgängerinnen und Fussgänger ein deutliches Stück näher zusammen.


